Spezialist für Werkzeugreparatur nutzt automatische Positionierung

Mit innovativer Spanntechnik viele Stunden gespart

Zwei hoch präzise Fräs-Drehzentren von Mori Seiki prägen das Bild in der Fertigungshalle von Nubius in Göppingen
Als Reparateur beschädigter Wendeplattenwerkzeuge hat sich die Nubius Präzisionswerkzeuge GmbH Zug um Zug zu einer weltweit agierenden Unternehmensgruppe entwickelt. Wer daraus schließt, dass die Göppinger auch selbst gern am Bestehenden festhalten, täuscht sich aber: Unentwegt halten sie Ausschau nach technologischen Innovationen, die ihnen helfen, ihre Fertigungskapazitäten auszureizen und den Wettbewerb zu übertreffen. Mit dem Einsatz der Toplus-Spanntechnik von Hainbuch ist ihnen ein wichtiger Schritt nach vorn gelungen.
Zwei hoch präzise Fräs-Drehzentren von Mori Seiki prägen das Bild in der Fertigungshalle von Nubius in Göppingen
Zwei hoch präzise Fräs-Drehzentren von Mori Seiki prägen das Bild in der Fertigungshalle von Nubius in Göppingen
Nubius hat sich auf die Reparatur stark beschädigter Wendeplattenwerkzeuge spezialisiert (rechts)
Nubius hat sich auf die Reparatur stark beschädigter Wendeplattenwerkzeuge spezialisiert (rechts)
Einsatz des Toplus-Spannfutters auf der Hauptspindel des Fräs-Drehzentrums NT 4250 DCG von Mori Seiki (links)
Einsatz des Toplus-Spannfutters auf der Hauptspindel des Fräs-Drehzentrums NT 4250 DCG von Mori Seiki (links)
Mit dem Mando-Adapt-System gelingt der Wechsel von Außen- auf Innenspannung im Handumdrehen (links) Für automatische, wiederholgenaue Positionierung sorgen einvulkanisierte Stahlkugeln, die eine elastische Verformung gewährleisten (ganz links)
Mit dem Mando-Adapt-System gelingt der Wechsel von Außen- auf Innenspannung im Handumdrehen (links) Für automatische, wiederholgenaue Positionierung sorgen einvulkanisierte Stahlkugeln, die eine elastische Verformung gewährleisten (ganz links)
Ralf Bürger, Key Account Manager der Hainbuch GmbH (rechts), demonstriert im Gespräch mit Dominik Frey, Entwicklung/CNC-Technik bei Nubius, die konstruktiven Vorteile der Hainbuch-Spannsyteme
Ralf Bürger, Key Account Manager der Hainbuch GmbH (rechts), demonstriert im Gespräch mit Dominik Frey, Entwicklung/CNC-Technik bei Nubius, die konstruktiven Vorteile der Hainbuch-Spannsyteme

Als Reparateur beschädigter Wendeplattenwerkzeuge hat sich die Nubius Präzisionswerkzeuge GmbH Zug um Zug zu einer weltweit agierenden Unternehmensgruppe entwickelt. Wer daraus schließt, dass die Göppinger auch selbst gern am Bestehenden festhalten, täuscht sich aber: Unentwegt halten sie Ausschau nach technologischen Innovationen, die ihnen helfen, ihre Fertigungskapazitäten auszureizen und den Wettbewerb zu übertreffen. Mit dem Einsatz der Toplus-Spanntechnik von Hainbuch ist ihnen ein wichtiger Schritt nach vorn gelungen.

Welcher Grad an Beschädigung sich bei einem Werkzeug noch wirtschaftlich reparieren lässt, davon kann man sich im Auftragseingang von Nubius in Göppingen ein Bild machen. Von ausgebrochenen Plattensitzen über tief greifende Kollisionsschäden bis hin zu zerstörten Gewinden oder abgebrochenen Bohrköpfen – es gibt anscheinend wenig, was sich nicht lohnend instand setzen ließe. „Selbst wenn 90 Prozent des Plattensitzes beschädigt sind, ist eine Reparatur immer noch möglich", erläutert Oskar Frey, der das Unternehmen im Jahr 1988 gegründet hat und aktuell als geschäftsführender Gesellschafter verantwortlich zeichnet.

Voraussetzung dafür ist fertigungstechnisches Know-how – Frey bringt es mit: „Ich habe Schweißen, Drehen, Fräsen gelernt, auch in der Schwerzerspanung war ich tätig", schildert er seinen beruflichen Hintergrund. „Meine letzte Tätigkeit, bevor ich mich selbstständig gemacht habe, war die Fertigung der Motorhaube für den Zwölfzylinder-BMW." Inzwischen hat Frey eine Firmengruppe aufgebaut, die unabhängig agierende Tochterunternehmen in unterschiedlichen Ländern unterhält und rund 350 Mitarbeiter beschäftigt. In Göppingen, wo das Entwicklungszentrum angesiedelt ist, zählt man knapp 40 Mitarbeiter.

Seit einigen Jahren entwickelt Nubius auch eigene Werkzeugprodukte, doch das Kerngeschäft liegt in der Reparatur schwer beschädigter Bohr-, Dreh- und Fräswerkzeuge. Zum Kundenkreis zählen Anwender, die oft mit massiven Fertigungsproblemen zu kämpfen haben. „Der Neukauf von Werkzeugen ist kostspielig", erläutert Frey. „Es gibt Werkzeuge, die viele tausend Euro kosten. Wenn diese häufig zerstört werden, dann geht schnell die Rentabilität verloren." Deshalb ist die Reparatur eine echte Alternative. „Dadurch kann der Kunde 70 bis 80 Prozent des Neupreises einsparen – das ist viel Geld", so der Nubius-Gründer. „Und umso größer ein Werkzeug, desto höher ist das Sparpotenzial."

Änderung schlägt Neuherstellung

Die zweite Kundenkategorie sind die Werkzeughersteller selber. Diese produzieren beispielsweise ein neu entwickeltes Werkzeug und stellen beim Kunden fest, dass es nicht wie gewünscht funktioniert. Eine Neuherstellung mit veränderten Parametern ist aber eine langwierige Sache, und der Kunde kann nicht warten – er muss produzieren. „Deshalb kommt der Lieferant zu uns", erläutert Frey. „Wir sollen das Werkzeug so modifizieren, dass die Schnittwerte eingehalten werden, die er seinem Kunden versprochen hat", erläutert Frey. „Die Änderung eines Plattensitzes beispielsweise ist nicht besonders aufwändig und kann zügig erledigt werden."

Der Anwender erhält so rasch ein geändertes Werkzeug und kann produzieren – der Hersteller wiederum behält seinen Kunden, der sich andernfalls einen anderen Werkzeuglieferanten gesucht hätte. Die aktuelle Konjunkturkrise hat die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen eher noch verstärkt. Durch die Kurzarbeit seien die Werkzeughersteller noch weniger handlungsfähig, berichtet Frey. Sie dürfen kein Zeitlimit überschreiten und können so die Werkzeuge nicht fertig produzieren und liefern.

5-Achs-Bearbeitung als Standard

Entsprechend liegt für Nubius der Schlüssel zum Erfolg in Schnelligkeit, um die Produktivität des Kunden aufrechtzuerhalten, Effizienz, um die Reparatur möglichst lukrativ zu machen sowie Präzision – die Reparatur darf keinen negativen Einfluss auf die Standzeit der Werkzeuge haben. Frey setzt dafür auf neueste Technik. So hat er in Göppingen in zwei hochpräzise Fräs-Drehzentren mit integrierter Gegenspindel von Mori Seiki investiert: Eine NT 3200 DCG mit 8 Zoll Spannfuttergröße und eine etwas größere NT 4250 DCG mit 10 Zoll Spannfuttergröße. „Wir bearbeiten hauptsächlich Werkzeugstahl", so Frey, „und alles ist auf 5-Achs-Bearbeitung ausgelegt." Die Wendeplattenwerkzeuge, die zur Instandhaltung der Kundenwerkzeuge benutzt werden, stellt Nubius wiederum selbst her.

Im Entwicklungszentrum laufen fortwährend Versuche, wie ein Reparaturteil schneller und kosteneffizienter gefertigt werden kann. Ziel ist es, mit den Schnittkräften ans Limit der Maschine zu kommen. „Ich gehe immer an die Grenze", stellt Frey klar. „Nur dadurch kann ich mich vom Wettbewerb abheben. Wenn ich schneller und tiefer fahre, bedeutet das eine Zeitreduzierung. Aber ich brauche dafür auch hohe Haltekräfte", erläutert Frey. „So sind wir auf die Spannprodukte von Hainbuch gestoßen."

Seit September 2008 hat Nubius das Toplus-Spannfutter des Marbacher Spanntechnik-Spezialisten im Einsatz. Das Mineralgussfutter mit sechseckiger, pyramidenförmiger Spanngeometrie zeichnet sich durch niedriges Gewicht, geringe Trägheit und gute Dämpfungseigenschaften aus und bringt laut Hainbuch eine um 25 Prozent verbesserte Haltekraft gegenüber dem Spanntop-Futter.

Dazu hat sich Nubius ein reichhaltiges Sortiment aus dem Hainbuch-Baukastensystem angeschafft. Über den Mando-Adapt-Spanndorn etwa lässt sich in Minutenschnelle von Außen- auf Innenspannung umrüsten, und über einen Backen-Adapter ist auch Spannen vor dem Futter möglich. Seit Kurzem nutzt Nubius zudem die Schnellwechselschnittstelle Centrotex.

Automatische Positionierung

„Die hohe Rundlauf- und Wiederholgenauigkeit ohne Ausrichten erreichen wir durch Präzisions-Stahlkugeln, die in die Auflagefläche aus Gummi einvulkanisiert wurden", erläutert Ralf Bürger, Key Account Manager der Hainbuch GmbH, die Wirkungsweise. Die Verformung der Mantelfläche erfolgt elastisch, und der Spanndorn positioniert sich automatisch zur Buchse.

„Die Wiederholgenauigkeit ist fantastisch, bestätigt Frey. „ Auch Kraftübertragung und Haltekräfte sind gut." Unlängst erst hat das Spannsystem bei Nubius seine Haltekraft ganz praktisch unter Beweis gestellt: Die Schnittparameter waren so anspruchsvoll gewählt, dass die Maschine beim Fräsen stehen geblieben ist. „Die Aufnahme hat keine Schäden davongetragen", so Frey.

Durch die automatische Positionierung konnte Nubius die Fehlerquote bei der Bearbeitung minimieren. „Vorher haben wir alles manuell ausgerichtet, das braucht Zeit", berichtet Frey. „ Hat man mal eine Schraube nicht gut angezogen, dann verrutscht das System beim Fräsen, und man erhält Fehler." Heute dagegen stimme der Nullpunkt immer. „Nun sind wir so weit, dass wir eigentlich gar nicht mehr nachmessen müssen."

Ohne Sauberkeit geht nichts

Wichtig ist lediglich, beim Wechsel auf peinliche Sauberkeit zu achten. „Sonst hat man verloren", mahnt Frey. Entsprechend aufgeräumt und gepflegt sieht es in der Göppinger Fertigungshalle aus. „Die Sechskantflächen müssen sauber sein", hält auch Bürger fest. „Da dürfen keine Späne drin sein."

Sind diese Voraussetzungen jedoch erfüllt, dann lassen sich erhebliche Verbesserungen bei Rüst- und Spannmittelwechselzeit erzielen. „Von Spannkopf zu Spannkopf wechseln wir jetzt in 30 Sekunden – wenn alles vorbereitet ist", berichtet Dominik Frey, Entwicklung/CNC-Technik bei Nubius. „Und den Spannmittelwechsel von Dorn auf Dreibackenfutter schaffen wir in 10 Minuten – vorher haben wir dazu mehrere Stunden gebraucht." Bei entsprechender Übung hält er Wechselzeiten von fünf bis acht Minuten für durchaus realistisch.

„Mit den Hainbuch-Systemen kommen wir viel schneller von Produkt zu Produkt als vorher", zieht Frey Bilanz. „Wir haben Stunden gewonnen im Vergleich zu vorher." Deshalb will er in dieser Richtung weitergehen – auch zur Freude von Bürger, der Nubius bei der Einführung der Hainbuch-Spannmittel betreut hat. „ Für uns war es eine sehr interessante Herausforderung, weil Nubius ein sehr großes Teilespektrum hat", beschreibt er das Projekt. „Zwei Maschinen mit Centrotex-Schnittstellen sind dort im Einsatz, beide mit Toplus-Spannelementen, auch Spanndorne und Dreibackenfutter – für jeden Anwendungsfall das richtige Spannwerkzeug." Dominik Frey bestätigt: „Wir haben jetzt alle Möglichkeiten, ein Werkstück zu spannen, und nutzen sie auch." (fm)

Nubius Präzisionswerkzeuge GmbH www.nubius.de

Hainbuch GmbH www.hainbuch.com

Spezialist heilt hoffnungslose Fälle

Auf die Instandsetzung schwer beschädigter Werkzeuge, die anderswo als wirtschaftlicher Totalschaden behandelt würden, hat sich die Nubius Präzisionswerkzeuge GmbH spezialisiert. 1988 von Oskar Frey gegründet, hat sie sich zu einer global agierenden Gruppe mit rund 350 Mitarbeitern entwickelt – knapp 40 davon arbeiten am Stammsitz in Göppingen, wo auch das Entwicklungszentrum von Nubius angesiedelt ist. Dort findet nicht nur kontinuierliche Prozessverbesserung statt, damit der Anwender möglichst schnell mit der Produktion fortfahren kann. Sondern Nubius entwickelt dort auch eigene Werkzeugkreationen, die dem Unternehmen künftig als weiteres Standbein dienen sollen.

Dieser Artikel stammt aus Community-Indicator


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