Rolf Rickmeyer, Vorsitzender der Geschäftsführung, MAG Europe GmbH
mav: Wie ist MAG in diese Lage geraten?
Rickmeyer: So paradox es klingen mag, Hauptgrund ist der enorm hohe Auftragseingang von über 750 Millionen Euro für MAG Europe (MAG IAS GmbH rund 652 Millionen Euro) in 2011. Die unbefriedigende Ergebnissituation in 2011 ergibt sich unter anderem aus der Abwicklung margenschwacher Aufträge aus dem Krisenjahr 2010, aus zu hohen Verwaltungskosten, aus restrukturierungsbedingt gestiegenen Sonderaufwendungen sowie aus Kosten der Finanzierung. Nicht zuletzt resultiert das Ergebnis auch daraus, dass aufgrund der Bilanzierung nach HGB positive Auftragsergebnisse erst bei Schlussrechnung ergebniswirksam werden. Große Zuwächse bei unseren Auftragseingängen konnten wir insbesondere seit dem letzten Quartal 2010 im Automobilgeschäft mit dem Gewinn neuer Schlüsselkunden und einer Ausweitung unseres Geschäfts mit Bestandskunden erzielen. Zur Finanzierung dieser Großprojekte war eine Erweiterung der Avallinien notwendig. MAG war allerdings nicht in der Lage, die vor diesem Hintergrund von den Finanzinstituten eingeforderte Erhöhung des Eigenkapitals umzusetzen. In dieser Situation machte Mo Meidar den Weg für eine Treuhand-Lösung frei.
mav: Ist denn inzwischen eine langfristige Finanzierung unter Dach und Fach?
Rickmeyer: Ja, wir konnten unsere Verhandlungen mit den Finanzinstituten vorzeitig zu einem guten Ergebnis führen und sind jetzt durchfinanziert. Auch die Barmittel aus der seit November bestehenden Brückenfinanzierung konnten wir noch vor Jahresende zurückführen. Unser Finanzierungsbedarf zur Abwicklung der vielen anstehenden Projekte ist gedeckt. Die Aufstockung der Avallinien gibt uns die erforderliche Planungssicherheit. Alle bisher beteiligten Finanzinstitute haben uns ihr Vertrauen geschenkt und sind weiterhin an Bord
mav: Was passiert jetzt mit der MAG Europe-Gruppe?
Rickmeyer: Das operative Geschäft läuft vollkommen unverändert weiter. Die Aufgabe der Geschäftsführung der MAG Europe-Gruppe ist es, die eingeleiteten Maßnahmen zügig umzusetzen und die Gruppe damit profitabel zu machen. Parallel wird im Rahmen eines geordneten Bieterverfahrens ein Investor für das Unternehmen gesucht.
mav: Heißt das, dass MAG Europe als Ganzes verkauft werden soll?
Rickmeyer: Ja, das ist beabsichtigt.
mav: Wie lange wird es voraussichtlich dauern, bis der oder die neuen Käufer feststehen?
Rickmeyer: Wir kommen gut voran. Es gibt zahlreiche Interessensbekundungen. Gemeinsam mit dem Treuhänder werden wir noch in diesem Monat eine Investmentbank aussuchen, die den Verkaufsprozess begleitet. Dabei werden wir geordnet vorgehen und planen, im Laufe des Jahres zum Abschluss zu kommen. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl ist, neben der Zuführung von frischem Eigenkapital, die Perspektive, die der neue Eigentümer bietet. Mit einem Jahresauftragseingang von 750 Millionen Euro (MAG Europe) im Jahr 2011 und einer signifikant gesteigerten Gesamtleistung im Vergleich zum Vorjahr liegen wir deutlich über dem Branchenschnitt. Das heißt, dass wir mit unserer Strategie und mit unseren Produkten auf dem richtigen Weg sind.
mav: Was passiert mit den amerikanischen Unternehmen der MAG Gruppe?
Rickmeyer: MAG America ist solide aufgestellt und konnte im letzten Jahr ein profitables Wachstum verzeichnen. Es ist uns gelungen, unsere Zusammenarbeit nach der rechtlichen Trennung in kürzester Zeit neu zu organisieren. Unter anderem wurden Vertriebs- und Serviceverträge sowie Lizenzvereinbarungen geschlossen. So ist weiterhin ein gemeinsamer Marktauftritt und eine Marktpräsenz gewährleistet. So können wir Synergien weiter nutzen und unsere Kunden wie gewohnt bedienen.
Das Interview führte Holger Röhr
