Klaus Ludwig, Vice President Hwacheon Ltd.
mav: Wie kommt es eigentlich, dass ein Deutscher Vice President eines koreanischen Werkzeugmaschinenherstellers ist?
Ludwig: Diese Frage wird mir häufig gestellt. Ich habe vor sechs Jahren von Hwacheon das Angebot erhalten, in Asien Vertrieb und Service aufzubauen. Zu der Zeit hatte ich bereits 20 Jahre Erfahrung in allen asiatischen Märkten. Ich habe mir das Unternehmen angesehen und war sehr von der hohen Fertigungstiefe und dem soliden, klassischen Maschinenbau beeindruckt. Nach einigen Gesprächen mit den Besitzern der Firma, entschloss ich mich bei Hwacheon zu unterschreiben und im April 2006 anzufangen. Man hat mir von Anfang an freie Hand gelassen. Seit Anfang 2011 bin ich für den weltweiten Vertrieb und das Marketing verantwortlich und habe die Position des Vice Presidenten im Management von Hwacheon Machine Tool Co. Ltd. inne. Neue Ideen für Produktentwicklungen gehören ebenfalls zu meinen Aufgaben.
mav: Wie ist Hwacheon in Korea positioniert?
Ludwig: Hwacheon ist in Korea als Nummer-1-Lieferant von hochpräzisen, zuverlässigen Werkzeugmaschinen bekannt. Speziell im Formenbau hat das Unternehmen einen äußerst positiven Namen und ist für viele Firmen erste Wahl.
Darüber hinaus ist Hwacheon ein sehr wichtiger Maschinen- und Teilelieferant für die koreanische Automobilindustrie, der für seine Qualität und Zuverlässigkeit bekannt ist.
mav: Wer ist in Deutschland für den Vertrieb zuständig?
Ludwig: Bis jetzt wurden wir durch die Firma Hommel Unverzagt vertreten. Um eine höhere Marktdurchdringung zu erreichen, haben wir ganz aktuell eine Partnerschaft mit der Hommel Maschinentechnik in Bochum gestartet. Offiziell ab 1. Januar 2012 werden hier alle Geschäfte für Hwacheon in Deutschland betreut. Volle Unterstützung dafür wird es von unserer eigenen Niederlassung in Ratingen geben.
mav: Welche Änderungen gibt es durch die neue Konstellation im Vertrieb, werden neue Produkte in das Vertriebsprogramm aufgenommen?
Ludwig: Bisher wurden in Deutschland von Hommel Unverzagt nur unsere Drehmaschinen vertrieben. Im Gespräch mit der Hommel-Geschäftsführung haben wir nun eine Lösung gefunden, die sehr vielversprechend ist und auch unsere Bearbeitungszentren beinhaltet. Somit können wir den Kunden in Deutschland das Komplettangebot zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wird der Service stärker als bisher von unserer eigenen Mannschaft unterstützt. Die Ersatzteilversorgung ist in den professionellen Händen der Hommel Zentralversorgung. Darüber hinaus gehende Möglichkeiten zwischen Hwacheon und Hommel sind noch im Gespräch.
mav: Welchen Fokus setzt das Unternehmen aktuell bei der Entwicklung?
Ludwig: Wir sind zudem gerade dabei, weitere Dreh- und Fräsmaschinen nach Industriewünschen zu entwickeln. Auf der Simtos 2012 in Seoul, Korea, werden wir dann eine wirkliche Revolution vorstellen. Ich kann zu diesem Zeitpunkt leider noch keine Details nennen. Aber diese Maschine ist wirklich einzigartig. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Entwicklung sind kundenspezifische, automatisierte Lösungen die praxistauglich und bezahlbar sind.
mav: Welche Maschinentypen werden deutschen Kunden angeboten?
Ludwig: Durch die genannten Veränderungen bietet Hwacheon jetzt auf dem deutschen und europäischen Markt ein fast komplettes Program von Dreh- und Fräsmaschinen an. Speziell in Deutschland werden unsere Bearbeitungszentren in Zukunft eine größere Rolle spielen. Auf der EMO wurden unsere neuesten Modelle bereits vorgestellt. Die Anwendung reicht von der Teilebearbeitung bis zur HSC-Bearbeitung im Formenbau. Verschiedene 5-Achsen-Lösungen sind natürlich auch verfügbar. Wir scheuen da, auch mit deutschen Herstellern, keinen Vergleich .
mav: Welche Zielgruppen werden damit angesprochen?
Ludwig: Unsere neue Vesta-Baureihe zum Beispiel ist bereits sehr erfolgreich in vielen Märkten im Einsatz. Von einfachen Teilen aus Aluminium bis zu Teilen über schwer zerspanbare Materialien bis zu Produktionsbearbeitungen in größeren Stückzahlen bietet diese Serie die richtige Lösung.
Des Weiteren sind der Formenbau sowie Präzisionsteilehersteller unser Ziel. Aber wir sind natürlich auch froh über jeden Kunden, ob Großfirma oder Kleinbetrieb, der einfach eine Maschine in seiner Werkstatt benötigt, die zuverlässig ist und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet. Unsere Vertikaldrehmaschinen sind besonders bei Windrad-, Autoteile- und Pumpenherstellern gefragt.
mav: Warum sollte ein deutscher Kunde überhaupt eine Hwacheon-Maschine kaufen?
Ludwig: Auf diese Frage warte ich jedes Mal, wenn ich mit Kunden spreche. Meine Antwort ist auch immer die gleiche: Es ist die Mechanik, die bei Hwacheon im Vordergrund steht. Solide, zuverlässig und dies über viele, viele Jahre. Für Teile, die wir nicht selber herstellen, und dies sind sehr wenige, verwenden wir nur Spitzenprodukte aus Deutschland oder Japan.
Alles andere von der Gießerei über die Gussteilbearbeitung, von hydraulischen Zylindern bis zum Futter und selbst jede Spindel die bei unseren Dreh- und Bearbeitungszentren verbaut wird, ist alles entworfen und in unseren Fabriken in Korea gefertigt. Dies garantiert eine 100-Prozent-Qualitätskontrolle und gibt uns die Möglichkeit, optimal auf die Anforderungen des Marktes zu reagieren.
Wenn ein Kunde in eine Hwacheon-Maschine investiert, bekommt er den besten Gegenwert für seinen Einsatz. Und er hat die Sicherheit, dass sein Geld in Entwicklung und soliden Maschinenbau angelegt wird und nicht in aufwändiges Marketing.
mav: Welche Steuerungen sind auf Hwacheon-Maschinen verfügbar?
Ludwig: Grundsätzlich bieten wir Steuerungen der Firma Fanuc an. Diese sind äußerst zuverlässig und erhöhen den Wirkungsgrad unserer Maschinen noch weiter. Das schönste Bedienpult nützt nichts, wenn die Steuerung oder die Motoren nicht zuverlässig sind. Auf Kundenwunsch bieten wir auch Steuerungen von Siemens und Heidenhain an.
mav: Welche Möglichkeiten gibt es für deutsche Kunden, individuelle Lösungen, zum Beispiel für die Maschinenautomatisierung, zu bekommen?
Ludwig: Mit Hilfe der Hommel-Ingenieure in Bochum lassen sich kundenspezifische Anfragen hervorragend realisieren. Denn, eine Lösung, die auf die koreanische Industrie zugeschnitten ist, muss nicht auch auf deutsche Anforderungen passen. Hier sind individuelle Lösungen gefragt, die vor Ort verstanden und dort auch umgesetzt werden.
Selbstverständlich werden dafür auch Automationsanbieter aus Deutschland angefragt, um den Service und die technische Unterstützung zu gewährleisten.
mav: Wie fällt ihr Resümee der EMO aus?
Ludwig: Die EMO war für uns sehr, sehr positiv. Erfreulich war auch, dass in allen Gesprächen mit Kunden und Händlern ein sehr positives Bild gezeichnet wurde.
Unsere neuen Maschinen erfreuten sich großer Nachfrage. Speziell die neu vorgestellten Bearbeitungszentren, inklusive 5-Achsen-Lösungen, sowie unsere größte Drehmaschine am Stand, die Hi-Tech 850L-MC, die für große Teile und schwer zerspanbare Materialien bestens geeignet ist, erregte viel Aufmerksamkeit. Aber auch die Erweiterung unserer Vertikaldrehmaschinen mit der VT 650 und die der Horizontaldrehmaschinen durch die neue Hi-Tech 450-Serie war Gegenstand vieler Nachfragen. Die Bestätigung unseres Erfolges wurde durch feste Aufträge aus Deutschland und auch aus dem Ausland unterstrichen.
mav: Wonach haben die Kunden gefragt?
Ludwig: Der Trend scheint in Richtung zu einer „Nummer größeren Maschine" zu gehen. Das heißt, wenn konkreter Bedarf für eine 800-Millimeter-Maschine vorhanden ist ist, wird generell eine 1000-Millimeter-Maschine angefragt.
Flexibilität war ein weiteres wichtiges Thema in den Kundengesprächen. Häufig wurde der Wunsch geäußert, die Maschine auf 5-Achsen aufrüsten zu können, ohne gleich eine komplette 5-Achsen-Maschine kaufen zu müssen. Der Preis war übrigens „nur" Thema Nummer 2, die Lieferzeit war Nummer 1.
mav: Was für Maschinen wurden denn bestellt?
Ludwig: Die Bestellungen reichten von der kleinsten Drehmaschine Cutex 160 bis zur 25 Tonnen schweren Hi-Tech 850L-MC, ebenso von einem Standard 3-Achsen-Bearbeitungszentrum (Vesta 660) bis zum 8-Achsen-Drehzentrum (T2-2TYSMC). Allein schon dieses Spektrum zeigt, dass wir mit unserem Angebot so ziemlich alle Anfragen abdecken können.
mav: Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Gesprächen auf der EMO?
Ludwig: Für Hwacheon kann es nur ein Ziel geben: den Ausbau unserer Aktivitäten in Deutschland und Europa. Der Markt ist da, wir müssen nur unsere Hausaufgaben kontinuierlich machen. Deshalb ist die erweiterte Zusammenarbeit mit einem starken Partner wie Hommel in Deutschland von großer Bedeutung!
mav: Wie sehen Sie die künftige Entwicklung für Hwacheon weltweit?
Ludwig: Hwacheon ist im Heimatmarkt Korea sehr gut aufgestellt. Jetzt richten wir unsere Bemühungen verstärkt auf den Export.
Nach der EMO habe ich Kunden in Spanien besucht. Glaubt man den Zeitungen und den Medien, ist Spanien fast am Ende. Die Kunden, die ich besucht habe, zeigen aber ein ganz anderes Bild. Märkte haben immer und zu jeder Zeit Schwächen, also muss man selber nach den Stärken suchen. Das habe ich schon bei meiner früheren Firma gelernt.
mav: Welches Wachstum erwarten Sie für Hwacheon speziell auf dem deutschen Markt?
Ludwig: Wir fangen in Deutschland ja nicht bei Null an. Mit hunderten Maschinen im Markt, die fast alle bei zufriedenen Kunden täglich ihre Arbeit leisten, verfügen wir über eine sehr gute Basis. Und wie bereits gesagt, versprechen sich die Geschäftsführungen von Hwacheon und Hommel eine Intensivierung der Aktivitäten und damit auch eine Steigerung der Maschinenverkäufe.
Unser Ziel dabei ist aber nicht die Nummer 1 nach Volumen zu werden, sondern in der Kundenzufriedenheit. Dies ist auch in all unseren Bestrebungen erkennbar und ein großer Unterschied zu einigen unserer Wettbewerber.
„Auf der Simtos 2012 in Seoul werden wir eine wirkliche Revolution vorstellen!"
Das Interview führte Holger Röhr
