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Dr.-Ing. Wolfgang Pfeiffer, Geschäftsführer Tox Pressotechnik GmbH & Co. KG

Dr.-Ing. Wolfgang Pfeiffer, Geschäftsführer Tox Pressotechnik: „Wir erleben derzeit eine Zunahme bei allen Kaltfügeverfahren
Dr.-Ing. Wolfgang Pfeiffer, Geschäftsführer Tox Pressotechnik: „Wir erleben derzeit eine Zunahme bei allen Kaltfügeverfahren"
Dank seiner Entwicklungsstärke hat der Verbindungstechnik- Spezialist die Automobilkrise vergleichsweise gut überstanden. Wie sich der allgemeine Trend zum Leichtbau-Fahrzeug auf die Produktstrategie des Unternehmens auswirkt, erläutert Geschäftsführer Dr.-Ing. Wolfgang Pfeiffer.

mav: Gerade die Automotive-Industrie war und ist ja stark krisengebeutelt. Wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Und wie sind Ihre Erwartungen für 2010?

Pfeiffer: Die deutsche Automobilindustrie hat sich als sehr vorausschauend gezeigt und auch in der Krisenzeit intensiv an Weiterentwicklungen gearbeitet. Dies konnten Lieferanten, die auch als Entwicklungspartner wahrgenommen werden, natürlich nutzen. Tox Pressotechnik wurde deshalb nicht im befürchteten Umfang von der Krise betroffen. Wir hoffen, dass vor allem der asiatische Bedarf an Automobilen auch bei uns zu anhaltender Nachfrage unserer Produkte führt.

mav: Vor welchen Herausforderungen steht die Verbindungstechnik angesichts des Leichtbau-Trends im Automobilbau? Und wie reagieren Sie darauf?

Pfeiffer: Der Trend zum Leichtbau erhöht die Vielzahl der verwendeten Materialien. Zu den etablierten Werkstoffen Aluminium und Stähle auch höherer Festigkeit kommen nun sogenannte ultra-hochfeste Stähle wie auch Faserverbundwerkstoffe. Bestehende Fügeverfahren müssen in ihren Grenzen erweitert werden, und wo das nicht reicht, müssen neue Wege gegangen werden. Wir haben aus diesen Gründen zu den bereits angebotenen Fügeverfahren Clinchen und Clinchnieten ergänzend das Vollstanznieten in unser Programm aufgenommen.

mav: Sprechen diese Leichtbau-Herausforderungen eigentlich eher für oder eher gegen eine stärkere Automatisierung, etwa durch Roboter?

Pfeiffer: Eindeutig für die Automatisierung. Angesichts der Materialvielfalt müssen die präzise optimierten Prozesse stabil gehalten werden. Es ist heute Standard in der Automobilindustrie, dass Fügeprozesse auf den Punkt individuell programmiert und auch individuell überwacht sind.

mav: Führt der Leichtbau-Trend auch dazu, dass Verbindungstechnik à la Tox stärker nachgefragt wird – auf Kosten des klassischen (Roboter-)Schweißens?

Pfeiffer: Alle wärmegebundenen Fügeverfahren zeigen eine geringere Toleranz gegenüber dem angesprochenen Materialmix. Schmelzpunkte sind unterschiedlich, Materialaufweichungen und dadurch bedingte Kerbwirkungen sind kaum zu vermeiden. Wir erleben deshalb derzeit eindeutig eine Zunahme bei allen Kaltfügeverfahren, wie zum Beispiel dem Tox-Rund-Punkt-Verfahren.

mav: Generell geht der Trend ja zu kleineren Losgrößen und mehr Flexibilität in Montageanlagen. Wie reagieren Sie darauf?

Pfeiffer: Wir integrieren Toleranz! Unsere robotergeführten Clinchzangen können üblicherweise für verschiedene Modelle eingesetzt werden, es werden nur andere Programmabläufe angesteuert. Unsere Nietzange kann zudem mit nahezu beliebig vielen Niettypen ausgerüstet werden. Auf die Miniaturisierung der Bauteile reagieren wir zudem mit Innovationen wie dem Tox-Micropoint oder dem Tox-Twinpoint.

„Mit der Materialvielfalt wächst die Bedeutung stabiler Prozesse"

Das Interview führte Armin Barnitzke

Innovative Verbindungstechnik

Die 1978 gegründete Tox Pressotechnik GmbH & Co. KG zählt heute zu den Weltmarktführern im Bereich Blechverbindungssysteme ohne Zusatzwerkstoffe und ohne thermische Einwirkungen. Ebenfalls eine führende Rolle nimmt das hoch innovative Unternehmen in den Bereichen pneumohydraulische und elektrische Antriebstechnik sowie beim Bau von Pressen und Zangen für die rationelle Blechteile-Fertigung ein. Am deutschen Stammsitz in Weingarten sind 285 und in der gesamten Gruppe rund 650 Menschen beschäftigt. Die Kernkompetenzen, Entwicklung und Konstruktion der Standardprodukte und Basismaschinen sowie die Herstellung der Know how-Teile sind auf den Standort Weingarten konzentriert. Produziert wird in Weingarten, China, USA und Indien.

09.09.2010


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