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Bob Murray, CEO Haas Automation Inc.

Bob Murray, CEO Haas Automation Inc.: „Es mag komisch klingen, aber für uns ist es unter dem Strich teurer in China zu fertigen, als in Kalifornien.
Bob Murray, CEO Haas Automation Inc.: „Es mag komisch klingen, aber für uns ist es unter dem Strich teurer in China zu fertigen, als in Kalifornien."
Hier werden sämtliche Haas-Maschinen gebaut: Der Produktionsstandort des Unternehmens im kalifornischen Oxnard mit einer Produktionsfläche von über 160 000 Quadratmetern
Hier werden sämtliche Haas-Maschinen gebaut: Der Produktionsstandort des Unternehmens im kalifornischen Oxnard mit einer Produktionsfläche von über 160 000 Quadratmetern
Beim Vertrieb setzt das Unternehmen auf das sogenannte HFO (Haas Factory Outlet) Konzept. In Deutschland gibt es insgesamt neun derartige Verkaufs- und Servicezentren
Beim Vertrieb setzt das Unternehmen auf das sogenannte HFO (Haas Factory Outlet) Konzept. In Deutschland gibt es insgesamt neun derartige Verkaufs- und Servicezentren
Nach Jahren schnellen Wachstums wurde der größte amerikanische Werkzeugmaschinenbauer, die Haas Automation Inc., Ende 2008 von der Krise getroffen. Wie das Unternehmen die ruhigere Phase genutzt hat und warum es für 2011 allen Grund zum Optimismus gibt, erläutert Haas CEO Bob Murray im Gespräch mit mav.

mav: Wie haben Sie das Jahr 2010 abgeschlossen, was erwarten Sie für 2011?

Murray: Bei allen Aussagen, muss man berücksichtigen, wo wir gerade herkommen. Nach einer langen Phase kräftigen Wachstums hat uns die Krise in 2008 hart getroffen. Ein Umsatzeinbruch von über 50 Prozent war die Folge. 2009 haben wir daher auch die Mitarbeiterzahlen nach unten anpassen müssen. Trotz des Umsatzeinbruchs haben wir aber auch 2009 keine roten Zahlen geschrieben.

Das vergangene Jahr hat dann die Wende gebracht. In China haben wir 2010 doppelt so viele Maschine verkauft wie 2009 und damit mehr als in Europa. In Indien haben sich die Absatzzahlen verdreifacht und auch in Europa gibt es mit über 15 Prozent Wachstum eine positive Entwicklung. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten 2 bis 3 Jahren weltweit stark wachsen werden und unseren Maschinenabsatz noch einmal verdoppeln können.

mav: Wie groß ist denn der Haas Marktanteil in Europa aktuell?

Murray: Wenn wir von Stückzahlen sprechen, lag er im starken Jahr 2008 bei 8 Prozent. Wenn man bedenkt, dass wir in den USA einen Marktanteil von etwa 50 Prozent haben, sehen wir in Europa noch sehr gute Wachstumschancen.

mav: Wie soll das Wachstum erzielt werden? Wollen Sie technisch aufrüsten, um stärker mit etablierten, vor allem deutschen Herstellern in Wettbewerb zu treten?

Murray: An dem bewährten Erfolgsrezept von Haas werden wir nichts ändern. Wir werden auch in Zukunft einfache, zuverlässige Maschinen mit einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis bauen. Insofern werden wir unser Wachstum in Deutschland nicht mit High-End-Maschinen erzielen, sondern dadurch, dass in Zukunft immer mehr Kunden den Nutzen der Haas-Maschinen verstehen und einsetzen möchten. Wenn wir eine neue Maschine bauen, dann tun wir es auf unsere Weise und versuchen nicht andere Hersteller zu kopieren. Wir möchten ohnehin immer Maschinen mit einer bestimmten Mindeststückzahl verkaufen. Nischenprodukte passen nicht zu unserer Philosophie.

mav: Wer sind denn, global gesehen, die wichtigsten Haas-Wettbewerber?

Murray: Ich sehe hier Unternehmen wie Doosan, Mazak und Mori Seiki aber auch taiwanesische und chinesische Werkzeugmaschinenhersteller, die in Europa weniger bekannt sind.

mav: Bemerken Sie zunehmenden Wettbewerb durch die Eco-Line-Maschinen von Gildemeister?

Murray: In einzelnen Märkten schon, aber außerhalb Europas spielen diese Maschinen aus unserer Sicht eigentlich keine Rolle..

mav: Gibt es aus Ihrer Sicht eine Besonderheit des deutschen Marktes?

Murray: Grundsätzlich mögen die Deutschen ihre eigenen Produkte. Darin ähneln sie den Japanern. Gerade bei Werkzeugmaschinen beobachten wir aber auch einen Trend hin zu flexibleren Maschinen und zu Low-cost Maschinen.

In der Vergangenheit wurden auch in Bereichen hochspezialisierte und teure Maschinen eingesetzt, wo einfachere Maschinen vielleicht die wirtschaftlichere Lösung gewesen wären.

mav: Gibt es Haas-Maschinen, die auf bestimmte Märkte zugeschnitten werden?

Murray: Es gibt zwar regionale Unterschiede, aber grundsätzlich basiert alles auf den gleichen Baugruppen.

mav: Unterhält Haas Produktionsstandorte außerhalb Kaliforniens? Wie sieht es mit der Produktion in China aus, die im Juni 2008 eröffnet wurde?

Murray: Wir fertigen ausschließlich an unserm Stammwerk in Oxnard. Es gibt keinerlei weitere Produktionsstandorte. Auch die von Ihnen angesprochene Produktion in China haben wir wieder geschlossen. Es mag komisch klingen, aber für uns war es unter dem Strich teurer in China zu fertigen, als in Kalifornien. Ich denke, wir können die Kapazität in Oxnard mit wenig Aufwand auf 2000 Maschinen im Monat bringen. Wir verfügen aktuell über 160 000 Quadratmeter Produktionsfläche. Die Fertigungstiefe ist bei uns außerordentlich hoch. Von der Steuerung bis zum Blechkleid der Maschinen machen wir praktisch alles selber.

Statt in neue Fertigungsstandorte investieren wir lieber in den Vertrieb. Vor kurzem haben wir einen Verkaufs- und Service-Stützpunkt in Indien eröffnet, ebenso in Belgien, in Shanghei und in Mumbai. Das nächste Land wird Brasilien sein, auch dort sehen wir großes Potenzial für unsere Maschinen.

mav: Wird auch das Haas-Händlernetz, die HFOs, in diesem Jahr in Deutschland weiter ausgebaut?

Murray: Global gesehen werden 2011 etliche neue HFOs hinzukommen. In Deutschland sind wir aber mit insgesamt neun Haas Factory-Outlets bereits flächendeckend vertreten. Insofern ist hier kein weiterer Ausbau unseres Händlernetzwerkes geplant.

mav: Was erwarten Sie denn nun konkret für 2011?

Murray: Nachdem wir im vorigen Jahr ein Plus von etwa 30 Prozent realisiert haben, rechnen wir im laufenden Jahr noch einmal mit einer Steigerung von 10 bis 20 Prozent.

mav: Können Sie jetzt schon etwas zu den Neuheiten sagen, die auf der EMO im Herbst vorgestellt werden?

Murray: Momentan kann ich nur sagen, daß wir einiges an Neuvorstellungen für die EMO geplant haben, es wäre aber zu früh, hier schon ins Detail zu gehen.

„Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten 2 bis 3 Jahren unseren Maschinenabsatz verdoppeln können!"

Das Interview führte Holger Röhr

11.02.2011


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