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Detlef Stoebe, Geschäftsführer Samag

Detlef Stoebe, Samag-Geschäftsführer
Detlef Stoebe, Samag-Geschäftsführer
Dreispindliges Bearbeitungszentrum MFZ 6-3W von Samag
Dreispindliges Bearbeitungszentrum MFZ 6-3W von Samag
Kurbelwellenlagerdeckel aus der Samag Serienfertigung
Kurbelwellenlagerdeckel aus der Samag Serienfertigung
Hersteller von Werkzeugmaschinen für die Produktion von Automotive-Teilen und gleichzeitig Zulieferer der Automobilindustrie, mit dieser Doppelstrategie hat die Saalfelder Werkzeugmaschinen GmbH großen Erfolg. mav sprach mit Samag-Geschäftsführer Detlef Stoebe über Stärken und Grenzen der ungewöhnlichen Konstellation.

mav: Wie ist es historisch begründet, dass Samag als Maschinenlieferant und als Zulieferer auftritt?

Stoebe: Samag ist, wie schon der Name Saalfelder Werkzeugmaschinen GmbH sagt, Werkzeugmaschinenlieferant, und das seit 137 Jahren. Als ostdeutsches Unternehmen ist Samag nach der Wende in eine schwierige Phase geraten. Der Abnehmermarkt im Osten ist zusammengebrochen, mit West-Maschinen konnten die Produkte nicht konkurrieren. In dieser Situation hat das Unternehmen mit der Lohnfertigung begonnen.

Es gab zu der Zeit bei Daimler eine sogenannte „ Einkaufsoffensive Ost". Damit begann die Tätigkeit für den Automobilkonzern, der bis heute der größte Samag-Kunde ist.

Zunächst begannen wir mit Kleinserien und Musterteilen. Dann kamen Auslaufserien, bei denen wir Linien von Daimler übernommen haben, um sie noch einige Jahre weiterzubetreiben. Als nächstes wurden wir auch für Serien für neue Produkte angefragt und haben bei uns die kompletten Fertigungslinien aufgebaut.

Die Nutzung des vorhandenen Maschinenparks zur Lohnfertigung hat es dem Unternehmen überhaupt erst ermöglicht, wieder Maschinenentwicklung zu betreiben.

1993 wurde das erste zweispindlige Bearbeitungszentrum vorgestellt. Es passte zu dem Trend, Großserienfertigung mit Flexibilität zu verbinden und wurde ein Erfolg. Parallel zur Serienfertigung haben wir dann den Bereich Werkzeugmaschinen wieder neu aufgebaut.

mav: Welchen Stellenwert haben die beiden Bereiche aktuell im Unternehmen?

Stoebe: Ungefähr 50 zu 50. 2009 lag die Maschinenproduktion beim Umsatz vorn, in diesem Jahr wird es die Lohnfertigung sein.

mav: Welcher Bereich entwickelt sich dynamischer?

Stoebe: Unsere Strategie ist es, beide Bereiche gleichmäßig zu entwickeln. Aktuell haben wir allerdings einige wichtige Aufträge in der Serienfertigung eingesammelt. Daher steigen dort die Umsätze mittelfristig stärker. In der Autoteileproduktion liegen wir heute schon 25 Prozent über dem 2008er Umsatz.

Ein Grund dafür ist auch die von uns neu aufgebaute Turboladerproduktion. Wir fertigen Turbolader für einen bedeutenden Turboladerhersteller, die von dort an Daimler, VW und BMW geliefert werden. Ein beträchtliches Fertigungsvolumen macht bei uns der neue E-Klasse-Dieselmotor OM651 aus, da steigt die Produktion aktuell stark an. Auch bei anderen Motorenkomponenten für Daimler produzieren wir am Anschlag, und es ist nicht mit einem Rückgang zu rechnen.

mav: Sind Sie als Zulieferer auf bestimmte Automobilhersteller beschränkt?

Stoebe: Nein, Daimler ist im Bereich Automotive zwar der Hauptkunde, aber es kommen bereits weitere hinzu.

mav: Hat es in der aktuellen Krise überhaupt etwas gebracht, ein „zweites Standbein" zu haben? Mit den Einbrüchen bei den Maschinen kam doch zeitgleich ein Rückgang im Zulieferbereich, oder nicht?

Stoebe: Nein, für uns ging die Rechnung auf. Unser Umsatz mit Neumaschinen ist in 2009 nur um 7 Prozent zurückgegangen, das lag zum einen am Auftragsüberhang und der Laufzeit der Projekte. Zum anderen haben wir Ende 2008 eine neue Tiefbohrmaschine auf den Markt gebracht, zum Beispiel um Common-Rail-Rohre oder Nockenwellen zu bohren sowie unsere neuen Tiefbohrfräszentren. Allein mit diesen beiden Neuprodukten haben wir 2009 50 Prozent des Maschinenumsatzes gemacht.

Aktuell ist es genau umgekehrt, der Maschinenverkauf war im ersten Halbjahr deutlich rückläufig, aber dafür fahren wir in der Teileproduktion 21 Schichten pro Woche, also rund um die Uhr.

Besonders günstig ist, dass wir auch die Mitarbeiter sowohl in der Serienproduktion als auch in der Maschinenfertigung einsetzen können. So ließen sich Entlassungen komplett vermeiden. Aktuell stellen wir bereits wieder Personal ein.

mav: Können Sie bei der Maschinenentwicklung von den Erfahrungen in der Teileproduktion profitieren und umgekehrt?

Stoebe: Auf jeden Fall. Ich nenne mal ein Beispiel: Wir haben in der Maschinenentwicklung mit einem Turboladerhersteller zusammengearbeitet, um eine optimierte Technologie zur Bearbeitung von Verdichtergehäusen zu entwickeln. Die Erfahrungen lassen wir auch in unsere Serienfertigung einfließen und profitieren so von technologischen Weiterentwicklungen des Maschinenbaus.

Unsere Serienfertigung ist der kritischste Kunde des Maschinenbaus. Das hat gravierende Auswirkungen auf Zuverlässigkeit und Service. Wir wissen, was es bedeutet, wenn eine Maschine eine Schicht lang steht. Nicht zuletzt deshalb ist der Nutzungsgrad unserer Maschinen auch bei unseren Kunden sehr hoch.

Hinzu kommt, dass wir das Thema ,Savings' gut kennen. Die Preise kennen nur einen Weg, nach unten. Als Zulieferer realisieren wir die geforderten Einsparungen auch durch Entwicklungen bei Maschinen und Prozessen. Davon können auch unsere Maschinenkunden profitieren. Zudem wird bei uns permanent weiter optimiert, nicht nur bis zur Maschinenabnahme. Ein reiner Teilefertiger hat bei Weitem nicht die Möglichkeiten zur Optimierung, über die wir mit unserem eigenen Maschinenbau verfügen.

mav: Die Teile, die Sie fertigen, gehen zu 100 Prozent in den den Powertrain-Bereich. Welche Veränderungen erwarten Sie durch neue elektrische Antriebskonzepte?

Stoebe: Die großen Automobilhersteller haben Marktstudien machen lassen, die von 2 bis 5 Prozent Elektrofahrzeugen in 2020 ausgehen. Für mich ist aber klar, auch wenn der Hype abflaut und alles länger dauert als medial suggeriert wird, die Entwicklung wird kommen, und sie wird unsere beiden Standbeine gleichermaßen betreffen. Denn auch unsere Maschinen gehen zu einem erheblichen Teil in Powertrain-Anwendungen.

Wir haben Ende letzten Jahres die Lean Tec Motor GmbH gegründet und entwickeln dort einen elektrischen Antrieb, der besonders wenig Kupfer braucht und sehr viel leichter ist als klassische Antriebe. Dies sehen wir als Zukunftsprojekt für das Unternehmen.

Aktuell bauen wir aber erst einmal unsere Zerspanungskapazitäten aus. Wir investieren im Moment 6 Millionen in neue Fertigungslinien.

mav: Welche Neuheiten haben Sie auf der AMB präsentiert?

Stoebe: Mit der MFZ6 3W haben wir eine dreispindlige Maschine gezeigt, die auch für die Titanbearbeitung geeignet ist. Damit lassen sich auch Luft- und Raumfahrtteile auf unseren Maschinen herstellen. Schon bald soll dieser Maschinentyp bei der Teilefertigung für ein neues Großraumflugzeug zum Einsatz kommen.

„Wir investieren im Moment 6 Millionen Euro in neue Fertigungslinien!"

Das Interview führte Holger Röhr

07.10.2010


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