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Peter von Rüti, President & CEO, Jan Vestbjerg Koch, Vice President, NUM Group

Peter von Rüti, President & CEO, NUM Group: „Wir haben bereits mehrere Tausend Werkzeugmaschinen mit NUM-Steuerung bei Foxconn im Feld.
Peter von Rüti, President & CEO, NUM Group: „Wir haben bereits mehrere Tausend Werkzeugmaschinen mit NUM-Steuerung bei Foxconn im Feld."
Fruchtbare Zusammenarbeit: Dr. Tsann-Huei Chang, CEO Foxnum, Ringo Lin, Chairman Foxnum und persönlicher Berater von Foxconn-Chairman Terry Gou, Peter von Rüti, President & CEO NUM Group, und Jan Vestbjerg Koch, Executive Vice President & CSO NUM Group (von links)
Fruchtbare Zusammenarbeit: Dr. Tsann-Huei Chang, CEO Foxnum, Ringo Lin, Chairman Foxnum und persönlicher Berater von Foxconn-Chairman Terry Gou, Peter von Rüti, President & CEO NUM Group, und Jan Vestbjerg Koch, Executive Vice President & CSO NUM Group (von links)
Mit Flexium bietet NUM ein offenes, flexibles und skalierbares CNC-System, das 200 Achsen und mehr steuern kann
Mit Flexium bietet NUM ein offenes, flexibles und skalierbares CNC-System, das 200 Achsen und mehr steuern kann
Jan Vestbjerg Koch, Executive Vice President, NUM Group: „Die Entwicklung sämtlicher CNC- und Antriebskomponenten bleibt unter unserer Kontrolle.
Jan Vestbjerg Koch, Executive Vice President, NUM Group: „Die Entwicklung sämtlicher CNC- und Antriebskomponenten bleibt unter unserer Kontrolle."
Als CNC-Steuerungsspezialist in Nischenanwendungen etabliert, ist NUM durch eine Kooperation mit dem Elektronikriesen Foxconn unversehens zu einem Big Player im Standard-CNC-Markt aufgestiegen. Ihrer Grundausrichtung bleiben die Schweizer aber treu, wie Unternehmenschef Peter von Rüti und Vize Jan Vestbjerg Koch klarstellen.

mav: Seit wann läuft Ihr Deal mit dem taiwanesischen Elektronikgiganten Foxconn denn schon?

von Rüti: 2007 haben wir eine Kooperation mit der Foxconn-Tochter Foxnum vereinbart. Foxnum ist verantwortlich für die CNC-Steuerungstechnologie von NUM, die Foxconn für seine eigenen Werkzeugmaschinen einsetzt. Auf Basis dieser Zusammenarbeit haben wir inzwischen mehrere Tausend Maschinen ausgerüstet.

mav: Die Firma heißt Foxnum. Da kommt sofort die Frage auf, ob es eine finanzielle Beteiligung zwischen den beiden Partnern gibt ...

von Rüti: Nein, finanzielle Verflechtungen gibt es keine. Für Foxnum war es aber wichtig, NUM im Firmennamen zu haben, um vom Image von NUM profitieren zu können – was natürlich auch umgekehrt gilt.

mav: Was hat Foxconn dazu bewogen, eigene Werkzeugmaschinen zu entwickeln?

von Rüti: Ein Ziel war es, die Entwicklung des Fertigungsprozesses in die eigene Hand zu bekommen, um diesen weiter optimieren zu können. Kunden sind bestrebt, ihre Fertigung auf mehrere Auftragshersteller zu verteilen. Deshalb hat sich Foxconn in der Produktionstechnik ein zweites Standbein geschaffen und rüstet nun seinerseits andere Auftragsfertiger mit Produktionsanlagen aus. So wird am Ende doch durchgängig auf Foxconn-Technologie produziert.

mav: Als Großlieferant für Foxconn war bislang Ihr Wettbewerber Fanuc bekannt. Warum hat man von NUM in diesem Zusammenhang noch nichts gehört?

Koch: In Absprache mit Foxconn haben wir mit der Kommunikation gewartet, bis der Transfer der Produktionsrechte abgeschlossen und eine große Zahl von Maschinen bereits im Feld ist.

mav: Nun ist NUM zwar im Werkzeugschleifen mit Numroto stark positioniert, ansonsten im klassischen Werkzeugmaschinenbereich aber wenig sichtbar. Wie haben Sie es geschafft, zum Top-Ausrüster von Foxconn zu werden?

Koch: Das war weniger ein Verkaufserfolg unsererseits. Vielmehr gab es CNC-Techniker bei Foxnum, die bereits viel Erfahrung mit der NUM-Steuerung hatten und sie für die richtige Wahl hielten. Sie sind an uns herangetreten.

mav: Wie war Ihre Reaktion?

von Rüti: Natürlich ist man als Nischenanbieter schon überrascht, wenn jemand an die Tür klopft, der über Tausende von CNCs reden will und einen Eigenbedarf von vielen Tausend CNC-Maschinen im Jahr hat. Aber nachdem die ersten technologischen Informationen ausgetauscht waren, war uns schnell klar, dass sich da eine einzigartige Chance bot.

mav: Um welchen Typ Maschinen handelt es sich?

von Rüti: Es geht um Standard-Fräsbearbeitung von Gehäuseteilen für Consumerelektronik-Geräte, Computer und so weiter. Eine der Maschinen, auf denen unsere Steuerung in sehr großen Stückzahlen läuft, stellt eine Parallel-Entwicklung zu Fanucs Robodrill-Maschinen dar, die Foxconn ja bereits in großer Zahl einsetzt.

mav: Wo wird die Steuerungs-Hardware produziert?

Koch: Foxnum hat dafür eine Produktionslinie im taiwanesischen Taichung aufgebaut – wo wir ebenfalls einen Standort besitzen. Dort produziert das Unternehmen unsere CNC und unsere Antriebe in Lizenz.

mav: Bedeutet das, Sie haben Ihr gesamtes Steuerungs-Know-how in Lizenz aus der Hand gegeben?

Koch: Nur das Produktions-Know-how. Die Entwicklung sämtlicher CNC- und Antriebskomponenten bleibt unter unserer Kontrolle. Die Technologie für alle Kernkomponenten muss von uns kommen, für jedes einzelne System. Jede produzierte CNC wird von NUM lizenziert, und wir erhalten eine Gebühr. Außerdem gab es einen Einmalbetrag für den Transfer der Produktionsrechte.

mav: Haben Sie keine Sorge, dass Sie die Kontrolle über Ihre Technologie doch irgendwann verlieren?

von Rüti: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht. Aber alles ist vertraglich fixiert und mittels kopiergeschützter Hardware abgesichert. Foxconn ist eine hochprofessionelle Firma, die sich im gesamten Verlauf als hervorragender Partner erwiesen hat. Wir haben da wenig Sorge.

mav: Welche Bedeutung hat der Deal mit Foxconn für Ihre europäischen Kunden?

von Rüti: Zunächst einmal bedeutet er Zukunftssicherheit. Unser Design wird in hohen Stückzahlen verbreitet, und wir sind im Hardwarebereich wettbewerbsfähig. Mit der Kooperation mit Foxnum konnten wir auch unsere Supply Chain verstärken und unter anderem mehr Lieferantensicherheit erlangen.

mav: Heißt das, Sie wollen in Bereiche vorstoßen, die von Siemens oder Fanuc besetzt sind?

von Rüti: Nein. Natürlich spielen wir durch die Zusammenarbeit mit Foxconn plötzlich indirekt in diesem Markt mit. Foxconn baut mit NUM-Technologie Maschinen in einer Stückzahl, die über dem liegt, was der größte europäische Maschinenhersteller produziert. Trotzdem fokussieren wir weiter auf Nischenmärkte, in denen der Kunde uns als Technologiepartner braucht, was ihm ein Alleinstellungsmerkmal verschafft. Wir wollen ein großer Fisch in vielen kleinen Teichen sein.

mav: Welche Ambitionen hegt Foxconn selbst im Werkzeugmaschinenmarkt?

Koch: Bislang war deren Strategie eher auf Eigenbedarf ausgerichtet. Aber wir können und wollen nicht verhindern, dass Foxconn früher oder später in diesen generellen Markt in Asien eintritt.

mav: Und damit auch Ihre Marktchancen beeinträchtigt ...?

von Rüti: Eben nicht. Unser Abkommen mit Foxconn betrifft ja nur die Flexium 6, ein auf vier Achsen beschränktes System für Standardmaschinen. Die Flexium 68 mit der vollen Flexibilität bleibt davon unberührt. So kommen wir uns nicht in die Quere: Wir können auch in Asien weiter auf den Highendbereich fokussieren, während Foxconn seine starke Produktionskapazität und den hohen Eigenbedarf ausnutzen kann, um im Standardmaschinenbereich Fuß zu fassen. Es ist eine Win-win-Situation für beide Unternehmen.

„Wir wollen ein großer Fisch in vielen kleinen Teichen sein"

Das Interview führte Dr. Frank-Michael Kieß

Fertigungsgigant Foxconn

Foxconn ist einer der weltgrößten Hersteller von Elektronik- und Computerteilen. Seit 1993 besitzen die Taiwaner Fertigungsstätten auf dem chinesischen Festland. Als Auftragshersteller produziert die Foxconn unter anderem Apples Iphone, Ipad und Macbook, sämtliche Dell-Rechner sowie diverse Spielekonsolen. Die Firma gilt als Haus- und Hoflieferant für Intel und ist Marktführer bei Computer-Hauptplatinen, PC-Gehäusen und Prozessorsockeln. 2008 erzielte Foxconn einen Umsatz von 59 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen expandiert mit jährlichen Wachstumsraten von über 50 Prozent und beschäftigt aktuell rund 900 000 Mitarbeiter. In den kommenden drei Jahren sollen allein in China weitere 400 000 Beschäftigte hinzukommen.

NUM: CNC-Erbe aus drei Ländern

Die Firma NUM ist aus drei Unternehmen hervorgegangen: der Güttinger AG in der Schweiz, die neben anderen elektronischen Systemen auch die CNC-Steuerungen der Gipsy-Linie entwickelte, der französischen NUM SA, einem 1964 von Telemecanique gegründeten CNC-Hersteller, sowie dem italienischen Motoren- und Antriebshersteller Servomac. Zwischenzeitlich integriert in den Schneider-Electric-Konzern, wurde NUM 2006 vom eigenen Management und Verdoso herausgelöst. Die NUM Gruppe beschäftigt weltweit über 200 Mitarbeiter und hat 2008 mehr als 60 Millionen Euro umgesetzt. Die Firmenzentrale liegt in der Schweiz in Teufen bei St. Gallen. Weitere Standorte in Europa sind Holzmaden in Deutschland, Cuggiano in Italien sowie Nanterre in Frankreich.

05.11.2010


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