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Ulrich Fahrion, Geschäftsführer, Eugen Fahrion GmbH & Co. KG

Ulrich Fahrion, Geschäftsführer der Eugen Fahrion GmbH & Co. KG
Ulrich Fahrion, Geschäftsführer der Eugen Fahrion GmbH & Co. KG
Werkzeugspannmittel werden heute durch die hohen Drehmomente immer mehr zu einer Achillesferse in der Zerspanung. Dabei könnten diese durch entsprechende Auslegung ganz entscheidend zu hoher wirtschaftlicher Qualität beitragen. Anders als Wettbewerber konzentriert sich Fahrion ausschließlich auf die Entwicklung und Herstellung von Spannzangen mit entsprechenden Futtern. Die Vorteile dieser Strategie erläutert Geschäftsführer Ulrich Fahrion.

mav: Mit dem Präzisions-Spannzangenfutter Centro P verfügen Sie über ein Produkt, das mit seiner großen Typenvielfalt sicher für die unterschiedlichsten Branchen wie beispielsweise den Werkzeug- und Formenbau, die Luftfahrtindustrie oder auch die Medizintechnik interessant ist. Mit dem CP8M haben Sie außerdem für den Bereich 1,0 bis 5,0 Millimeter und Außendurchmesser 10 Millimeter ein extrem kleines Futter. Wie wollen Sie das in diese unterschiedlichen Branchen bringen?

Fahrion: Mit dem 2004 eingeführten Centro P hatten wir schon Haltekräfte von 300 Nm erreicht. Die wurden nun auf Grund aktueller Anforderungen verdoppelt. Hauseigene Tests haben gezeigt, dass wir die Haltekräfte nun mit der neuen Technologie verdoppeln konnten. Dieser Vorteil ist in allen Branchen nutzbar. Die Typenvielfalt ist mit mehr als 250 Standardfuttern in allen gängigen Schäften und verschiedensten Längen und einem Bereich zwischen 1,0 und 32,0 Millimeter in der Tat so, dass für jeden etwas dabei ist. Wir müssen unsere Handelspartner hier unterstützen. Das CP8M-Futter, speziell auch mit HSK-E25, -E32 und -E40, soll verstärkt direkt den Maschinenherstellern angeboten werden.

mav: Sie sprechen davon, dass Sie damit die Spannzangentechnik in Bezug auf Genauigkeit, Haltekraft, Flexibilität und Preis-Leistungs-Verhältnis revolutionieren. Können Sie das etwas näher definieren?

Fahrion: Wir sind weltweit der einzige Hersteller von Spannzangenfutter, der eine DIN-Norm in Frage gestellt hat. Mit der Standardisierung der Werkzeugschäfte haben wir dann unsere Spannzangenfutter dem angepasst. Wir haben also darauf verzichtet, dass unsere Spannzangen einen Spannbereich überbrücken, denn mit der Standardisierung der Schäfte macht das keinen Sinn. Die Präzision dagegen ist bei uns systembedingt durch die Abstimmung zwischen Konus Spannzangenfutter und Konus Spannzange. Das Problem war doch, dass unsere Spannzangen wesentlich genauer waren als sämtliche Futter am Markt. Deshalb haben wir das Centro P mit Rundlaufgenauigkeiten von 3 Mikrometer entwickelt. Das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis können wir anbieten, weil wir uns eben auf Spannzangen und die Futter spezialisiert haben und so entsprechende Stückzahlen fertigen.

mav: Im Gegensatz zu Wettbewerbern, die eine auffällig große Produktpalette wie zum Beispiel Werkzeugauswuchtmaschinen, 3D- Taster, Zentriergeräte, induktive Schrumpfgeräte anbieten, konzentrieren Sie sich ausschließlich auf die Spannmittel. Ist das nicht gefährlich?

Fahrion: Der Wettbewerb mag hier durchaus auch seine Wertschöpfung besitzen. Die große Produktpalette ist wahrscheinlich notwendig, wenn man den Weg über den Direktvertrieb geht – der natürlich auch ein Kostenfaktor ist. Dass unser Weg aber nicht falsch sein kann, zeigt sich darin, wie wir aus der jüngsten Wirtschaftskrise heraus gegangen sind. Selbstverständlich werden unsere Spannmittel weltweit vertrieben. Ein weiterer interessanter Punkt in diesem Zusammenhang ist sicher der, dass auch andere, namhafte Spannmittelhersteller auf Grund unserer Spezialisierung und der damit verbundenen hohen Qualität diverse Teile aus unserer Spannmittelproduktion beziehen.

mav: Sie fertigen nach wie vor in Deutschland. Können Sie so auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben?

Fahrion: Dass wir ausschließlich in Deutschland fertigen, ist nicht ganz richtig: Wir haben auch eine eigene Fertigung in der Ukraine. Unabhängig davon ist der Standort Deutschland nicht schlecht. Geht man von Personalkosten zwischen 30 bis 35 Prozent aus und setzt die erreichte Qualität dagegen, rechnet es sich, denn Maschinen und Werkzeuge sind überall gleich kostenintensiv. Und natürlich kommt bei einer Fertigung im Ausland noch die Logistik hinzu.

„Die Konzentration auf Spannmittel bringt uns die entsprechenden Stückzahlen"

Das Interview führte Manfred Lerch

08.04.2011


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