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Harry Junger, Geschäftsführer Gildemeister Drehmaschinen

Harry Hunger, Geschäftsführer Gildemeister Drehmaschinen

Vor einem Jahr haben Gildemeister und Mori Seiki beschlossen, enger zusammenzuarbeiten. Inzwischen trägt die Kooperation bereits Früchte. Warum auch der Kunde profitiert, erläutert Harry Junger, Geschäftsführer Gildemeister Drehmaschinen...

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Harry Junger: Durch die Kooperation mit Mori Seiki können wir die Anforderungen unserer Kunden noch besser erfüllen.
Harry Junger: „Durch die Kooperation mit Mori Seiki können wir die Anforderungen unserer Kunden noch besser erfüllen."
CTX delta 4000 TC
CTX delta 4000 TC
Die Vorteile des langen Maschinenbettes: Selbst mit sehr weit auskragenden Werkzeugen lassen sich große Werkstücke bearbeiten, zum Beispiel bei Ausdrehoperationen
Die Vorteile des langen Maschinenbettes: Selbst mit sehr weit auskragenden Werkzeugen lassen sich große Werkstücke bearbeiten, zum Beispiel bei Ausdrehoperationen
Umfangreiche Möglichkeiten in der Werkstückbearbeitung
Umfangreiche Möglichkeiten in der Werkstückbearbeitung

Vor einem Jahr haben Gildemeister und Mori Seiki beschlossen, enger zusammenzuarbeiten. Inzwischen trägt die Kooperation bereits Früchte. Im Gespräch mit mav erläutert Harry Junger, Geschäftsführer Gildemeister Drehmaschinen, warum auch der Kunde von der Zusammenarbeit profitiert.

mav: Welche konkreten Ergebnisse der Kooperation zwischen Mori Seiki und Gildemeister gibt es in Ihrem Bereich?

Junger: Gerade bei den Drehmaschinen laufen interessante Projekte. Aktuell wird das hochpräzise Dreh-Fräszentrum CTX Delta 6000 TC in Japan bei Mori komplett mit Gildemeister-Technologie aufgebaut. Damit erweitern wir unsere CTX-Baureihe um die Bettlängen 4000 und 6000 Millimeter nach oben.

mav: Warum wird ein Kunde denn die Gildemeister-Maschine kaufen und nicht gleich das „Original"?

Junger: Ich denke, die Frage nach dem „Original" stellt sich hier weniger. Der Kunde hat ein bestimmtes Teileprogramm, und dafür benötigt er die passende Maschine. Genau das ist ja der Grund, warum wir an dieser Stelle mit der intensiven Zusammenarbeit begonnen haben. Einzelne Kunden haben in der Vergangenheit immer mal wieder angeregt, unser Drehmaschinenprogramm nach oben zu erweitern. Dank unserer Kooperation sind wir nun in der Lage, diesem Wunsch zu entsprechen. Wir haben nun mit diesem Maschinentyp Zugriff auf Kunden, die als Liefervorschrift die Siemens-Steuerung haben und für die in der Vergangenheit daher keine Mori-Maschinen in Frage kamen. Allein in diesem Segment rechnen wir uns gute Geschäftsmöglichkeiten aus.

mav: Warum greifen Sie gerade in diesem Bereich auf eine Grundmaschine von Mori zurück, statt die Maschine komplett selber zu entwickeln?

Junger: Eine Maschine dieser Größenordung allein bis zur Marktreife zu entwickeln, erfordert einige Zeit und hohe Investitionen. Durch die Zusammenarbeit sind wir viel schneller mit dem Produkt am Markt, und das finanzielle Risiko hält sich in Grenzen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung mit den großen CTX-Maschinen zu beginnen, ist auch ein regelrechter Boom in der Großteilebearbeitung. Im Bereich der Energieerzeugung sehen wir sowohl bei der Windkraft als auch bei den Gasturbinen eine steigende Nachfrage. Der enorme Energiehunger Asiens befeuert diese Entwicklung zusätzlich.

Weitere Nachfrage erwarten wir aus der Luftfahrt und dem Transportsektor. Komponeten für große Schiffs-, Lokomotiv- und Lkw-Motoren erfordern ebenfalls große Maschinen.

mav: Welche Anteile an der CTX delta 4000 beziehungsweise 6000 liefert Mori, welche macht Gildemeister selber?

Junger: Zukünftig werden alle Delta-Maschinen von Mori in ihrer mechanischen Grundkonstruktion hier zu uns nach Bielefeld geliefert. Bei uns werden die Maschinen mit dem Steuerungs- und Antriebs-Paket von Siemens ausgerüstet. Das heißt, sie bekommen eine Steuerung auf Basis der Siemens 840D mit unserer exklusiven Shop-Turn-3G-Funktionalität. Natürlich werden sie auch mit unserem Design, also der Gildemeister-Umhausung versehen. Alle Delta-Maschinen weltweit werden auch von Bielefeld aus an die Kunden ausgeliefert.

Dabei verstehen wir uns als Technologiepartner unserer Kunden. In der Regel wird so eine Maschine immer mit der gewünschten Technologie verkauft. Insofern schaffen wir zusätzlichen Kundennutzen durch den Prozess.

mav: Was ist das Besondere an der Shop-Turn 3G im Vergleich zur „normalen" 840D?

Junger: Mit der neuen Siemens 840D Solutionline bieten wir dem Kunden ab sofort das Beste aus beiden Welten. Hier die grafische 3D-Werkstatt-Programmierung direkt an der Maschine mitsamt Prozess-Simulation und komfortablen Zyklen über die einheitliche Shop-Turn-Oberfläche. Dort das zeitoptimierte Programmieren anspruchsvoller Fräskonturen sowie die Integration von Kun- denzyklen, extern generierten Programmbausteinen oder Zusatztechnologien via DIN-Code, wobei Shop-Turn-Zyklen mit DIN-Funktionalitäten sogar flexibel kombiniert werden können. Natürlich ist die Abwärtskompatibilität der neuen Multi-Channel-Steuerung gewährleistet, so dass bestehende Programme auf die neue Generation übertragbar und dort optimierbar sind.

Die Dialogprogrammierung in dieser Form bietet für diesen Bereich sonst niemand. Der Anwender kann damit Stückzeit optimiert fahren oder schnell zum Teil. Darüber hinaus lassen sich eigene Technologien wie Verzahnungsfräsen oder Tieflochzyklen problemlos einbinden.

mav:  Ab wann stehen die CTX delta 4000 und CTX delta 6000 denn zur Verfügung?

Junger: Die erste delta wird im Oktober bei uns in Bielefeld ankommen, so dass wir noch in diesem Jahr mit der Maschinenauslieferung beginnen können.

mav: Gibt es denn Kunden, die bereits eine CTX delta bestellt haben?

Junger: Wir haben bereits fünf Kunden, die starkes Interesse geäußert haben. Der Investitionsbedarf für so ein Drehzentrum liegt bei circa 1,1 bis 2 Millionen Euro. Das investiert niemand mal eben so.

mav: Wie viele 4000/6000-Maschinen sollen denn bis Ende nächsten Jahres verkauft werden und was für Unternehmen sehen Sie als Zielgruppe?

Junger: Ich hoffe dass wir Ende nächsten Jahres 15 bis 20 Maschinen verkauft haben. Im ersten Schritt sehen wir unseren Einstieg bei Kunden, die auch bislang schon mit Gildemeister-Maschinen fertigen.

Kunden, die sich auf Großteile spezialisiert haben, aber bislang noch nicht auf Gildemeister-Maschinen fertigen, werden sicherlich schwerer zu überzeugen sein. Aber auch in diesen Unternehmen gibt es natürlich Leute, die gerne mal eine Alternative hätten: „Wettbewerb belebt das Geschäft". Einen Vorteil haben wir mit unserer Vertriebsmannschaft, die weltweit eine höhere Marktdurchdringung erreicht als die jedes Wettbewerbers.

mav: Sind nicht gerade beim Vertrieb Bedenken vorhanden, ein Mori-Gildemeister-Mischprodukt zu verkaufen?

Junger: Natürlich müssen wir auch hier Überzeugungsarbeit leisten. Da aber Design, Steuerung und Technologie in unserer Hand liegen, ist die Hürde nicht so hoch. Die Vertriebsleute sehen vor allem eine Chance auf zusätzliches Geschäft, und genau das ist es ja auch.

mav: Wie sieht es mit der Finanzierung aus – oft sehen sich die Kunden dabei nicht optimal von den Banken unterstützt?

Junger: Auch hier zeigen sich wieder Vorteile, die wir unseren Kunden durch die Kooperation mit Mori bieten können. Gemeinsam mit Mitsui haben wir den Finanzierungspartner MG Finance gegründet. Damit können wir unseren Kunden eine Finanzierung anbieten, die optimal auf deren Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ich halte das aktuell für einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Wettbewerb.

Das Interview führte Holger Röhr

 

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