Messtechnik sichert Qualität großer Getriebegehäuse
Winzige Details können darüber entscheiden, ob eine Maschine auch nach Jahrzehnten noch einwandfrei funktioniert oder nicht. Selbst sehr große, tonnenschwere Teile wie Zahnräder und Gehäuse müssen auf den Mikrometer stimmen, wenn man Wert auf höchste Qualität legt. Die Firma Henschel stellt die Langlebigkeit ihrer Getriebe daher mit Hilfe genauester Messtechnik sicher.
Getriebe der Henschel Antriebstechnik GmbH tragen in Lokomotiven dazu bei, dass tausende von Passagieren schnell und sicher ihr Ziel erreichen. Eines der auf der weltweit wichtigsten Bahnverkehrsmesse Innotrans vorgestellten Lokachsgetriebe soll beispielsweise in russischen Lokomotiven bei den olympischen Winterspielen 2014 eingesetzt werden. Die Firma Henschel, die Getriebe unter anderem für Kunststoffverarbeitungsmaschinen, für Straßenbahnen, Lokomotiven und Motorenprüfstände beispielsweise für Formel-Eins-Rennmotoren herstellt, hat den Auftrag in einer Ausschreibung gewonnen, bei der das Unternehmen aus Kassel internationale Branchengrößen ausstach.
Für Bodo Kohlmeyer ist der Grund klar: „Die Qualität und Präzision macht uns so schnell keiner nach." Der Leiter Qualitätsmanagement bei Henschel hat erst vor wenigen Monaten in neue Messtechnik investiert, um den Vorsprung weiterhin zu sichern.
Höchste Qualität für schwere Stahlgehäuse
Eine zuverlässige Messtechnik gehört essenziell zur Fertigung – nicht nur Kohlmeyer sieht das bei Henschel so. „Die stetig gewachsenen Kundenanforderungen an noch höhere Qualitäten und Genauigkeiten erforderten eine Neuorientierung der Prozesse hinsichtlich der Beschaffung von mittleren und großen Getriebegehäusen", beschreibt Kohlmeyer.
Henschel hat daraufhin eine eigene Gehäusefertigung aufgebaut. Nach hohen Qualitätsmaßstäben und unter voller Kontrolle produziert das Unternehmen die schweren Stahlgehäuse nun aus Rohteilen selbst. Die Qualitätssicherung der mitunter mehrere Tonnen schweren und bis zu vier Meter langen Getriebegehäuse leistet Henschel mit einer Accura II Messmaschine von Carl Zeiss Industrielle Messtechnik (IMT).
„Für Bauteile dieser Größenordnung war es nicht leicht, einen Messtechnikanbieter zu finden", beschreibt Kohlmeyer. „Wir haben uns die Angebote von fünf Herstellern angesehen und sie in Bezug auf Leistung, Software und Preis verglichen. Nur drei Anbieter waren in der Lage, Messmaschinen in der für uns erforderlichen Größe zur Verfügung zu stellen."
Schließlich fiel die Entscheidung aus mehreren Gründen für Carl Zeiss. Eine entscheidende Rolle spielte für Henschel, dass die Accura über einen aktiven Messkopf verfügt, der die Entfernung zum Bauteil während der Messung selbstständig korrigiert. Auch dass alle wichtigen Komponenten – also Unterbau, Messkopf und Software – aus dem Hause Zeiss stammen, war Kohlmeyer wichtig, nicht nur aus praktischen Gründen. Seine Erfahrung mit Zeiss-Produkten hat Kohlmeyer geprägt: „Wir haben seit 23 Jahren eine Carl Zeiss-Messmaschine im Einsatz: die Koordinatenmessmaschine UPMC. Sie misst noch heute genauer als viele modernere Konkurrenzprodukte."
Zwar arbeitet die UPMC deutlich langsamer als aktuelle Messmaschinen, doch von ihrer Zuverlässigkeit hat sie nichts eingebüßt. Henschel ließ sie erst kürzlich auf die neueste Technologie umrüsten und mit neuer Steuerung, neuem Sensor und neuer Software versehen.
Auf Abweichungen rasch reagieren
Seit Juni 2010 arbeitet Henschel nun auch mit der Accura II. Sie ist mit einem besonders langen Taster von 850 Millimetern ausgestattet und so in der Lage, auch die Innenräume der sehr großen Gehäuseteile präzise zu messen. Henschel kontrolliert damit Achsabstände, Lagerbohrungen und Parallelitäten. Bei der Messung bewährt sich der aktive Messkopf an den langen Tastern täglich aufs Neue. Abhängig von der Oberflächenkontur des Werkstücks korrigiert der Messkopf dabei permanent die Bahn des Tasters und tastet die Oberfläche ab. Er passt seine Fahrt dem Bauteil an und kann auf Abweichungen sofort reagieren
Natürlich ist eine Messmaschine eine Investition die, wie Kohlmeyer weiß, gut begründet werden muss. „Nicht alle Bearbeiter leisten sich eine Messtechnik in dieser Größenordnung und Genauigkeit. Viele Betriebe behelfen sich stattdessen mit manuellen Protokollen und Sichtprüfung. Die Ergebnisse sind teilweise haarsträubend", berichtet der Qualitätsbeauftragte.
Der Ärger mit Ungenauigkeiten einzelner Gehäuselieferanten gehört für Henschel nun der Vergangenheit an. Kohlmeyer ist sehr froh über die Entscheidung, eine eigene Fertigung in enger Verbindung mit hochpräziser Messtechnik aufzubauen: „Wir konnten unsere Liefertreue entscheidend erhöhen und setzen nun unsere hohen Qualitätsansprüche effizient um." Eine lange Lebensdauer und die international bekannte Zuverlässigkeit der Getriebe soll Henschel auch weiterhin die Aufträge anspruchsvoller Kunden aus aller Welt sichern.
Henschel Antriebstechnik GmbH www.henschel.eu/
Carl Zeiss Industrielle Messtechnik www.zeiss.de/imt
