Printausgabe: 2010/4, Seite 6

Trotz des höheren Aufwands der neuen Normen überwiegen die Vorteile

Welche Regeln für sichere Maschinen gelten

Durch neue Berechnungsverfahren wird die sicherheitstechnische Beurteilung von Maschinen zwar schwieriger. Es stehen aber verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, die die Validierung und Berechnung erleichtern
Durch neue Berechnungsverfahren wird die sicherheitstechnische Beurteilung von Maschinen zwar schwieriger. Es stehen aber verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, die die Validierung und Berechnung erleichtern

Zum Bau einer sicheren Maschine gibt es heute etliche vereinheitlichte Regeln. Etwa gilt seit Ende 2009 die veränderte Maschinenrichtlinie. Gleichzeitig wird die alte Norm EN 954-1 durch die EN ISO 13849-1 ersetzt. Was versteht man aber eigentlich unter einer sicheren Maschine und welche Normen und Regeln existieren zu dieser Thematik? Was muss ein Konstrukteur überhaupt beachten?

In Europa werden die Forderungen zur Maschinensicherheit in der Maschinenrichtlinie einheitlich geregelt. Im Anhang I der Richtlinie werden grundlegende Sicherheitsanforderungen gestellt. Letztendlich wird aber auf das europäische Normenwerk verwiesen, das mit seinen detaillierten Regeln die Anforderungen konkretisiert.

Was „sicher" bedeutet, kann man mit wenigen Überlegungen selbst herleiten. Grundsätzlich gilt: Es darf von einer Maschine keine Gefährdung für Menschen ausgehen. Es müssen technische Mittel verwendet werden, um eine Maschine sicher zu machen. Ganz einfach wäre, die Maschine „einzusperren" und die Umhausung so zu verschließen, dass weder etwas hinein noch etwas heraus kann.

Es ist jedoch unabdingbar, dass auch Menschen den Maschinenraum betreten, um etwa Wartungsarbeiten durchzuführen oder Störfälle zu beheben. Ebenso müssen die zu fertigenden Teile in die Maschine hinein- und das Endprodukt wieder herauskommen. Deshalb werden beispielsweise Türen verwendet, die entsprechend abgesichert werden müssen. Hierfür gibt es Regeln.

Seit einiger Zeit gibt es weltweit (fast) einheitliche Regeln für die Sicherheitstechnik an Maschinen. Sehr viele Länder haben die Normen von IEC und ISO als Vorbild genommen und in ihrem nationalen Normenwesen umgesetzt. Zum Abbau von Handelshemmnissen sind in Europa Richtlinien zum Betrieb und zur Konstruktion von Maschinen und Anlagen seit längerem vereinheitlicht worden.

Aktuell wichtige Regelwerke sind für Hersteller von Maschinen und Anlagen die Maschinenrichtlinie, die EMV-Richtlinie und die Niederspannungsrichtlinie. Diese regeln – ohne dabei auf technische Details einzugehen – die Sicherheit im Umgang mit Maschinen und Anlagen. Sie sind in allen europäischen Staaten zum Gesetz erhoben worden, ihre Einhaltung ist also keineswegs freiwillig.

Wenn alle relevanten Richtlinien eingehalten werden, bestätigt dies der Hersteller, indem er für sein Produkt eine Konformitätserklärung ausstellt und auf der Maschine oder dem Bauteil das CE-Zeichen anbringt.

Konkretere technische Vorgaben sind in Normen verankert. Europäische Normen für die Sicherheit an Maschinen werden unterschieden in

· übergeordnete Normen: A-Normen oder Sicherheitsgrundnormen,

· produktübergreifende Normen (so genannte B-Normen) und

· produktspezifische Normen (C-Normen).

Die B-Normen teilen sich noch einmal in 2 Gruppen. Die B1-Normen behandeln spezielle Sicherheitsaspekte, die B2-Normen sicherheitstechnische Einrichtungen. Für Hersteller ist es wichtig, die existierenden Normen zu beachten. Denn es darf unterstellt werden, dass eine Maschine, die unter Beachtung von harmonisierten Normen konstruiert und gebaut wurde, auch der Maschinenrichtlinie entspricht. In Fachkreisen spricht man hier von der Vermutungswirkung.

Vor einiger Zeit entstanden zwei neue Normen, welche die bekannte EN 954-1 ablösen sollen. Dies sind die IEC 62061 und die EN ISO 13849-1. Letztere ist der direkte Nachfolger der EN 954-1. Es läuft derzeit eine Übergangszeit bis Ende 2011, in der sowohl die EN ISO 13849-1 als auch die EN 954-1 gültig sind.

Die neuen Normen erweitern die Beschreibung der Kategorien aus der EN 954-1 erheblich. Es wird nicht länger nur die Struktur einer Applikation betrachtet, sondern auch die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit von Bauteilen. Durch diese neuen Berechnungsverfahren wird die sicherheitstechnische Beurteilung zwar schwieriger. Mittlerweile stehen den Konstrukteuren aber auch verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, mit denen die Validierung und Berechnung sehr erleichtert wird. Am Bekanntesten sind hier wohl die von der BGIA herausgegebene Validierungssoftware Sistema und eine Rechenscheibe zum schnellen Ermitteln des Performance Level.

Trotz des höheren Aufwands der neuen Normen gegenüber der EN 954-1 überwiegen die Vorteile der neuen Verfahren. Durch die bessere Beurteilung von Fehlerausschlüssen kann die Sicherheit von Maschinen eindeutiger beurteilt werden, und für den Bediener wird ein Stück mehr Sicherheit geschaffen – und das weltweit.

Jens Rothenburg Euchner GmbH + Co. KG www.euchner.de

Dieser Artikel stammt aus Community-Indicator

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